Da ich meine Beobachtungen gerne fotographisch festhalten möchte, hatte ich anfangs das Problem, das ganze Equipment aufzubauen und einzurichten. Dafür musste so einiges herhalten. Batterien oder Netzteile zur Energieversorgung von Montierung, Kamera und Notebook. Nicht fehlen durften ebenso Tisch und Stühle für den mobilen PC-Arbeitsplatz, und in der kalten Jahreszeit mussten auch reichlich warme Getränke dabei sein. Auf alle Fälle war ich zum Schluss mehr damit beschäftigt, das Ganze Equipment auf und wieder ab zu bauen als mit der tatsächlichen Arbeit am Teleskop.
Und obwohl den Hobbyastronomen bei der Ausübung seines Hobbys kaum etwas aus der Bahn wirft, und er an sich auch sehr geduldig und immer guter Hoffnung ist, kann es doch auch deprimierend sein, wenn man nach einer guten Wetterprognose für die Nacht wieder einmal alles in einer fiesel Arbeit aufgebaut und die Montierung eingenordet hat und genau jetzt der Himmel beginnt sich, mit Wolken zu bedecken. Kurze Zeit später, man ist mit dem Abbau und dem Aufräumen des ganzen Krams fertig, sieht man, dass der Himmel wieder klar ist...
Das kann doch nicht gerecht sein!
Und dies war ein Punkt, bei dem ich darüber ins Grübeln kam, wie man diesen doch recht hohen zeitlichen Aufwand minimieren kann, um so die effektiv nutzbare Zeit am Teleskop zu erhöhen. Die einzige Möglichkeit sah ich darin, im Garten eine feste Säule aufzustellen, worauf die Montierung immer einsatzbereit installiert bleiben kann. Zwischen den Einsätzen sollte das Ganze mit einer Abdeckung gegen Nässe und Wind geschützt werden. Das müsste einiges an Zeitersparnis bringen und auch spontane Einsätze möglich machen, wobei natürlich auch das nur ein Kompromiss darstellt, da von meinem Grundstück die Sicht nach Süden durch diverse Objekte stark eingeschränkt ist und sich auch die Lichtverschmutzung durch Streulicht von Straßenlampen negativ auf die Himmelsbeobachtung auswirkt.
So dachte ich über eine Lösung nach, und die Suche nach einem optimalen Standort begann. Nach vielen Wochen der Überlegung stand fest – in den Dachboden! Ein auffahrbares Dach - und der ganze Himmel liegt über mir. Viele Gespräche mit Dachdeckern und Zimmerern später, und in Anbetracht der hohen Kosten und weiterer Nachteile wurde der Plan, eine Dachsternwarte zu bauen, wieder fallen gelassen. Die Gedanken gingen jetzt eher in Richtung einer Hütte im Garten. Um die schlechte Sicht nach Süden wenigstens einigermaßen zu verbessern, beschloss ich das Ganze über das Bodenniveau anzuheben. So „schwebt“ das Observatorium ca. 1m über dem Erdboden. Durch eine geschickte Standortwahl in meinem Garten gelang es mir sogar, dem direkten Lichteinfall der Straßenlampen um mein Grundstück herum auszuweichen.
Letzten Endes kann der Bau nur ein Kompromiss aus „praktisch für mich“, „schnell im Einsatz“ und „bestmöglicher Himmel“ sein. Aber die Möglichkeit, schnell mal das Teleskop ohne großes Justieren bei Wolkenlücken und ohne Schlepperei nutzen zu können, und das ohne größeren Zeitverlust, ist es mir wert, diesen Kompromiss einzugehen. Außerdem ist die nutzbare Zeit des Beobachtens jetzt deutlich länger, da die ganze Technik sofort einsatzbereit ist und ich sofort nach dem Beenden meiner nächtlichen Arbeit ins Bett verschwinden kann.
Zwischenzeitig ist das Observatorium zur Sonnenwarte aufgestegen, primärer Focus liegt auf der Sonne, natürlich ist die Beobachtung der Planeten und des Mondes auch möglich. Durch die Automatisierung und Fernsteuerbarkeit des Observatoriums können auch Lagzeitbeobachtungen unterm Tag durchgeführt werden.